
Nominiert für die Umweltehrung 2025:
Rehkitzrettung Aachen Land e.V.
In Deutschland sterben jedes Jahr bis zu 100.000 Rehkitze während der Frühjahrsmahd. Die Rehkitzrettung Aachen Land e.V., nominiert für die Umweltehrung 2025, setzt sich mit Herzblut dafür ein, die jungen Tiere zu retten. Mit Drohnen, Menschenketten und viel Engagement geben sie alles, um Jungtiere zu schützen. Wir haben Ute Netterscheid, zweite Vorsitzende des Vereins, 5 Fragen zur Kitzrettung gestellt.
Wie würdet ihr eure Arbeit beschreiben?
Da wir ein großes Herz für Tiere haben und diese in unseren Augen nicht nur Gegenstände sind, retten wir während der Frühjahrsmahd ehrenamtlich und gleichzeitig fachkompetent Tiere vor qualvoller Verstümmelung oder dem Tod durch Mähwerke. Diese Tiere sind in erster Linie Rehkitze, die leider zeitgleich zur ersten Mahd von ihren Müttern in den Wiesen abgelegt werden, da sie dort vor Fressfeinden eigentlich perfekt geschützt sind. Quasi fehlender Eigengeruch sowie angepasste Fellmusterung und Fellfarbe machen sie unauffindbar für Fressfeinde – leider aber auch für Landwirte und Jäger, die vor der Mahd die Wiesen nach ihnen absuchen müssen (dies ist gesetzlich vorgeschrieben).
Diese Suche erfolgt meist unter großem Zeitdruck und ist ohne Helfer/Innen und situativ angepasster Hilfsmittel extrem schwierig und ist wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Auch ein Hund läuft in der Regel an ihnen vorbei. Würden die Kitze wenigstens vor den lauten Maschinen davon laufen, gäbe es vermutlich kaum Mähunfälle. Leider verfügen sie aber in den ersten 14 Tagen ihres Lebens noch nicht über den sog. „Fluchtreflex“. Dies wird ihnen zum Verhängnis. Bis zu 100.000 Kitze werden pro Jahr in Deutschland „vermäht“.
Dabei wollen wir nicht zusehen. Unser Angebot richtet sich daher an alle Landwirte und zuständigen Jagdpächter, mit denen wir in enger Absprache die Mahd von vorne bis hinten begleiten und die Sucheinsätze koordinieren und durchführen. Wir bieten ein Komplettprogramm von Hilfsmaßnahmen an, die vor, während und nach der Mahd greifen.- Wir arbeiten mit fachlicher Unterstützung und passen unsere Methoden stets neuesten Erkenntnissen an. Dazu stehen wir in regem Austausch mit anderen Vereinen.
Was hat euch inspiriert?
Der Verein Rehkitzrettung Aachen Land e.V. entstand im Anschluss an die Fusion zweier Gruppen. Die Gruppe „Rehkitzrettung Herzogenrath“ (Initiatoren Peter Waliczek und Robert Meyer) formierte sich 2022 und schloss sich der Rehkitzgruppe der Evangelischen Christusgemeinde im Nordkreis Aachen an (Initiatoren Pfarrerin Dorlis Alders und Ute Netterscheid).
Zuvor konnten bereits mit der Rehkitzgruppe der Alsdorfer Drohnenflieger unter Heinz Henot nötige Erfahrungen gesammelt werden. Hier entwickelte sich die Idee, der Kitzrettung einen größeren Rahmen zu verleihen und nicht nur mit kostspieligen Thermal- und anderen Drohnen, sondern auch mittels Menschenkette und einfachen Hilfsmitteln Kitze zu suchen.
Auch die im Internet kursierenden grauenvollen Bilder von verstümmelten Rehkitzen haben uns die Augen geöffnet und zum Handeln motiviert. Durch die Zusammenlegung der beiden Gruppen wurden wir stärker und so fiel uns der Entschluss leichter, die schon länger bestehende Idee einer Vereinsgründung umzusetzen und ermöglicht uns letztendlich ein professionelleres Auftreten in der Öffentlichkeit.
(Fotos: Martin Baldus / Übach Palenberg)
Was war euer schönster Moment?
Ein wirklich absolutes Schlüsselerlebnis war es, ein Kitz in einer Wiese zu finden, die bereits professionell per Thermaldrohne abgesucht worden war und in der „nichts“ gefunden wurde. Der Landwirt stand bereits mit laufendem Motor am Rand der Wiese und wollte losfahren, als wir mittels Ablaufen der Fläche unser allererstes Kitz gefunden haben. Dadurch wurde sein Leben gerettet.
Welche Herausforderungen müsst ihr meistern?
Es gab und gibt eine Menge an Herausforderungen, angefangen mit der Suche nach Helfern und Helferinnen, dem Erlernen verschiedener Verfahren zur Kitzrettung, der Öffentlichkeitsarbeit sowie finanzieller, personeller und technischer Hürden. Anfangs wurden die Suchaktionen nahezu vollständig privat finanziert. Wichtige technische Hilfsmittel werden auch noch weiterhin aus privatem Bestand zur Verfügung gestellt. Mit Gründung des Vereins soll sich nun einiges ändern. Hierzu mussten wir uns allerdings erst einmal mit dem Thema Vereinsleben auseinander setzen. Dies war für uns Alle Neuland.
Eine besonders große Herausforderung ist bei unserer Arbeit stets die psychische Komponente, denn die Einsätze sind für uns alle emotional belastend. Niemand möchte nach der Mahd hören, dass ein Kitz übersehen wurde. Stets fiebern wir dem Anruf vom Landwirt nach der Mahd entgegen, dass alles gut gegangen ist. Garantieren können wir dies aber auch nicht. Das kann u.E. keiner.
Das größte Problem bei der Kitzrettung ist und bleibt aber immer die Abhängigkeit der Wiesenmahd vom Wetter, wegen der eine maximale Flexibilität und kurzfristige Einsatzbereitschaft erforderlich ist. Bisher konnten wir aber alle Suchanfragen erfolgreich managen. Zum Glück :)
(Foto: Martin Baldus / Übach Palenberg)
Wie kann man euch unterstützen oder selbst mitmachen?
Passiv helfen kann jede und jeder durch eine Mitgliedschaft im Verein. Sie kostet 12 Euro pro Jahr. Aktiv mitmachen kann bei uns jeder ab 18 Jahren. Dazu sollte man allerdings gut früh aufstehen können, denn die Einsätze starten bereits gegen 4 bis 5 Uhr morgens.
Vorkenntnisse sind nicht nötig. Wir arbeiten alle Helfer und Helferinnen vor Ort und in separaten Infoveranstaltungen in die Materie ein. Die Mithilfe erfolgt immer nach Absprache und ist natürlich freiwillig. Da wir kostenlos agieren, erhalten unsere Helfer und Helferinnen kein Entgelt. Dafür bieten wir ein tolles Team mit sehr engagierten und fröhlichen Menschen. Neue Gesichter sind bei uns stets willkommen. Übrigens suchen wir auch immer nach Unterstützung durch Drohnenflieger sowie durch PC-kundige Menschen. Zum Kennenlernen bieten wir regelmäßige Stammtische an, bei denen man auch alles Neue erfährt und sich austauschen kann.
Ansonsten kann man sich auf unserer Webseite schon mal über unsere Arbeit informieren. Dazu laden wir jeden Menschen ein.
Ihr findet uns im Netz unter: www.rehkitzrettung-aachen-land.de
Kontakt unter: info@kitzrettung-aachen-land-eV.de
Jedes einzelne Tier ist es wert gerettet zu werden. Ein Tier zu retten ist ein unbezahlbares Gefühl.











