Herzogenrath
geht voran
Die Erde kommt an ihre ökologischen Grenzen. Und Herzogenrath nimmt das ernst. Als erste mittelgroße Stadt Deutschlands haben wir unseren kompletten Umwelt-Fußabdruck gemessen. Denn wir wollen nicht einfach zuschauen, wir wollen Herzogenrath als zukunftsfähige und lebenswerte Stadt gestalten.
Los geht’sWas steckt alles im Umwelt-Fußabdruck?
Unser Leben auf der Erde hat Auswirkungen auf die Luft, das Wasser, den Boden und das Klima. Herzogenrath wollte wissen, in welchem Ausmaß das für unsere Stadt gilt. Denn nur wer das weiß, kann einen Plan aufstellen, um diese vier sogenannten Schutzgüter auch wirklich zu schützen.
Unser Alltag hat einen Preis
Heizen, Autofahren, Strom verbrauchen – das gehört zum Leben dazu. Aber es hinterlässt Spuren. Und diese Spuren haben einen Preis. Nicht auf unserer Rechnung, sondern auf der der Gesellschaft: beispielsweise als Gesundheitskosten, als Ernteausfälle, als Unwetterschäden. Das nennt man Umweltkosten. Sie machen sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt.
1 Transport
Fangen wir auf der Straße an
Fast 6 von 10 Wegen in Herzogenrath werden mit dem Auto zurückgelegt. Nur 2,4 % der Autos fahren elektrisch. Das macht den Verkehr zu unserem größten Umweltkostentreiber. Aber genau hier steckt auch das größte Potenzial.
Gesamtumweltkosten Transport:
26,3 Mio. Euro pro Jahr
2 Energie
Schauen wir auch in unsere Häuser
Über 60 % der Gebäude in Herzogenrath wurden vor 1980 gebaut (dazu gehören auch Gewerbe und Industrie). 38 % der Heizungen sind schon älter als 20 Jahre. Was nicht energetisch saniert wird, heizt weiter und kostet weiter.
Gesamtumweltkosten Energie (Strom & Wärme):
35,5 Mio. Euro pro Jahr
3 Industrielle Prozesse
Und in unseren Betrieben?
Auch industrielle Prozesse hinterlassen einen Abdruck. Produktionsprozesse stoßen Emissionen aus und belasten Böden und Gewässer. Aber der Strukturwandel schafft hier Raum. Alte Industrie weicht, neue Möglichkeiten entstehen – für sauberere Produktion, zukunftsfähige Arbeitsplätze und einen Wirtschaftsstandort, der auch morgen noch attraktiv ist.
Gesamtumweltkosten industrielle Prozesse:
3,9 Mio. Euro pro Jahr
4 Landwirtschaft
Sogar unsere Felder hinterlassen Spuren.
Der kleinste Sektor und trotzdem wichtig. Auf unseren Äckern entstehen vor allem Schäden für Böden und Gewässer. Außerdem werden durch Futteranbau, Transport und Tierhaltung Treibhausgase in die Luft freigesetzt. Zwei Probleme, ein Sektor und konkrete Ansätze, die helfen.
Gesamtumweltkosten Landwirtschaft:
3,8 Mio. Euro pro Jahr
5 Abfall
Nicht der größte Posten. Aber Teil der Summe.
Nicht alle Umweltkosten entstehen in den großen Sektoren Transport, Energie, industrielle Prozesse oder Landwirtschaft. Auch weitere Bereiche tragen zur Gesamtbilanz bei. Erst zusammen ergibt sich das vollständige Bild der Umweltkosten in Herzogenrath.
Gesamtumweltkosten Abfall:
0,8 Mio. Euro pro Jahr
70.300.000 €
Umweltkosten entstehen so jährlich in Herzogenrath.
Nicht auf unsere Rechnung.
Aber auf der der Gesellschaft, z. B. als Unwetter, Ernteausfälle, Gesundheitskosten. Das entspricht rund 40 % des städtischen Jahreshaushalts.
Wir wollen als Gesellschaft diese Rechnung nicht zahlen. Wir wollen sie gar nicht erst entstehen lassen.
Herzogenrath hat einen Plan.
Wir sind nicht die größte Stadt. Aber wir haben als erste mittelgroße Stadt Deutschlands in einer ganzheitlichen Ökobilanz (City-LCA) alle acht Wirkungskategorien betrachtet. 11 strategische Maßnahmenziele sollen mit 70 ganz konkreten Maßnahmen erreicht werden . Für Mobilität, Wärme, Energie. Kein Wunschdenken, sondern echter Wandel, hier in unserer Stadt.
Warum nicht nur CO₂?
Wer nur CO₂ misst, verschiebt Probleme. Herzogenrath will echte Lösungen, keine versteckten Schäden.
City-LCA
City-LCA bedeutet: gesamtstädtische Ökobilanz. Herzogenrath hat als erste Stadt dieser Größe alle wesentlichen Umweltauswirkungen vollständig erfasst.
Klima (85 %)
Treibhausgase aus Verkehr, Heizung und Industrie erwärmen das Klima. Das ist der mit Abstand größte Posten.
Boden (11 %)
Bodenversauerung durch Stickstoff aus Verkehr und Landwirtschaft. Betrifft unsere Äcker und Ökosysteme.
Wasser (3 %)
Zu viel Wasser entnommen, zu viele Nährstoffe eingetragen. Flüsse und Grundwasser leiden.
Luft (unter 1 %)
Sommersmog durch Verkehr. Belastet vor allem Kinder und ältere Menschen.
Heizen
Heizen mit Öl oder Gas hinterlässt CO₂ in der Luft und Stickstoff im Boden.
1 Tonne CO₂
1 Tonne CO₂ verursacht rund 130 Euro gesellschaftliche Schäden. Nicht auf unserer Rechnung, aber in der Welt da draußen.
Autofahrt
Jeder Kilometer Autofahrt kostet die Gesellschaft mehr als den Spritpreis.
Hand in Hand mit den Zielen der Stadt: So können Sie mitmachen
- Jeden kurzen Weg bewusst zu Fuß oder mit dem Rad statt mit dem Auto zurücklegen.
- Bus, Mobilstationen und (zukünftig) den Radschnellweg aktiv testen und in den Alltag einbauen.
- Eigene Erfahrungen und Ideen zur Mobilität in Beteiligungsformaten der Stadt einbringen.
- Ganz einfach CO₂ sparen und dabei bewegter und gesünder unterwegs sein.
Privatwagen
Privatwagen machen 28 % aller Umweltkosten in Herzogenrath aus. Der größte Einzelposten. Und der E-Auto-Anteil liegt bei gerade mal 2,4 %.
Unser Ziel: E-Autos von heute 2,4 % auf 50 % bis 2045.
Güterverkehr
Güterverkehr: 8 % der Gesamtkosten.
Unser Ziel: 75 % Elektrifizierung Güterverkehr bis 2045.
ÖPNV und Bus
Bus, Mobilstationen und bessere Umstiege machen den Alltag ohne Auto leichter – und senken den größten Kostentreiber.
Unser Ziel: Anteil des Motorisierten Individualverkehrs von 59 % auf 35 % senken. Mehr Rad, mehr Bus, mehr Bahn.
Hand in Hand mit den Zielen der Stadt: So können Sie mitmachen
- Kostenlose Energieberatung der Stadt nutzen und passende Schritte für ein klimafittes Zuhause planen.
- Schritt für Schritt Energie sparen: Heizung optimieren, dämmen, Fenster überprüfen und das Solarpotenzial des eigenen Dachs nutzen.
- Bei Renovierungen und Neubauten frühzeitig auf effiziente Heizungen, gute Dämmung und erneuerbare Energien setzen.
Alles rund um Energie & Gebäude in Herzogenrath:
herzogenrathklima.de/themen/gebaeude/
Dämmung
Über 60 % der Gebäude in Herzogenrath wurden vor 1980 gebaut. Was nicht gedämmt wird, verliert Wärme – und kostet weiter.
Heizöl
Heizöl macht 14 % aller Umweltkosten aus. Größtes fossiles Einsparpotenzial im Sektor.
Über 60 % der Gebäude vor 1980 gebaut. 38 % der Heizungen älter als 20 Jahre.
Unser Ziel: Ausbau Dezentrale Wärmepumpen
Erdgas und Fernwärme
Erdgas und Fernwärme: 10 % der Kosten. Fernwärme-Ausbau ist der geplante Ersatz.
Unser Ziel: 100 % erneuerbare Fernwärme
Unser Ziel: Neubau Wärmenetz Herzogenrath-Mitte
Netzstrom
Netzstrom: 10 % der Kosten. Erneuerbarer Anteil heute: nur 37 %. Mit 100 % erneuerbarem Strom fällt dieser Posten fast weg.
Unser Ziel: PV-Rathaus, E-Flotte, 100 % erneuerbarer Strom. Die Stadt geht voran.
Wirtschaft
Unser Ziel: Gewerbe, Handel und Industrie: minus 31 % bis 2030, minus 68 % bis 2045
Getreideanbau
Getreideanbau ist der größte Posten. Hauptproblem: Stickstoffeintrag in Boden und Grundwasser durch Düngung.
Boden und Wasser
Über 60 % der Landwirtschaftskosten betreffen Boden und Wasser, nicht das Klima.
Rinderhaltung
Rinderhaltung verursacht Methan fürs Klima und Nitrat fürs Wasser. Zwei Probleme, ein Sektor.


